Das Etikett bewertet nicht die Installation

Ein Roboter kann für kollaborative Anwendungen vorgesehen sein. Diese Beschreibung reicht jedoch nicht aus, um festzustellen, ob eine Person sicher neben ihm arbeiten kann. Die Sicherheit hängt von der gesamten Anwendung ab: von der Aufgabe, den Bewegungen, der Last, dem Werkzeug, dem Standort der Personen sowie den Maßnahmen zur Vermeidung oder Begrenzung gefährlicher Wechselwirkungen. EU-OSHA beschreibt die kollaborative Anwendung als das umfassendere System, in dem Menschen und Roboter zusammenwirken. Die Eigenschaften des Roboters sind daher nur ein Teil der Bewertung des Gesamtsystems.

Mit den für diese Prüfung verfügbaren Unterlagen lassen sich weder Geltungsbereich und Aktualität bestimmter technischer Normen noch die Zertifizierung einer Installation durch eine bestimmte Norm oder Spezifikation bestätigen. „Kollaborativ“ sollte deshalb als Beschreibung der vorgesehenen Verwendung oder bestimmter Fähigkeiten verstanden werden, nicht als automatische Freigabe jeder Integration.

Auch bedeutet „ohne Zaun“ nicht automatisch „ohne Schutzmaßnahmen“. Eine Anwendung kann eine physische Trennung, Anwesenheitserkennung, Bewegungsbegrenzungen oder weitere, durch die Risikobeurteilung bestimmte Maßnahmen erfordern. Die Entscheidung hängt von den vorhersehbaren Gefahren und der Verwendung des Gesamtsystems ab. Das gehandhabte Werkstück, Werkzeugkanten oder der Zugang einer Person zur Bewegungsbahn können das Risiko verändern.

Normen und Dokumentation heranziehen

Ermitteln Sie zunächst die zuständige Gerichtsbarkeit, die Maschinenart und den geplanten Termin der Inbetriebnahme. In der Europäischen Union sind die geltenden Rechtsvorschriften und einschlägigen offiziellen Quellen heranzuziehen: Eine Erläuterungsseite oder technische Norm ersetzt diese Prüfung nicht. EUR-Lex bietet eine Zusammenfassung des europäischen Rechtsrahmens zur Maschinensicherheit, doch daraus allein ergeben sich nicht die konkreten Pflichten für eine bestimmte Installation.

Mit dem Quellenmaterial dieser Prüfung lassen sich die aktuellen Ausgaben bestimmter ISO-Normen oder deren nationale Übernahme nicht verifizieren. Bevor Sie eine Norm zitieren oder anwenden, prüfen Sie Ausgabe und Gültigkeit bei der zuständigen offiziellen Quelle und klären Sie den Bezug zu den für das Projekt geltenden Vorschriften. Ein öffentliches Informationsblatt kann den allgemeinen Anwendungsbereich beschreiben, ersetzt aber nicht den vollständigen Normtext.

Fordern Sie vom Hersteller die für das angebotene Modell und die Konfiguration relevanten Unterlagen an: Handbücher, Betriebsgrenzen und -bedingungen, Sicherheitshinweise, Angaben zu Sicherheitsfunktionen und bekannte Einschränkungen. Prüfen Sie, ob sie sich auf die vorgesehene Software, das Zubehör und die Last beziehen; übertragen Sie keine Daten von ähnlichen Geräten. Bitten Sie den Integrator um Unterlagen zur fertiggestellten Zelle und um eine Erklärung, wie die Schutzeinrichtungen mit der Robotersteuerung zusammenwirken. Ein Verkaufsdatenblatt kann das Gespräch unterstützen, beweist aber nicht, dass die Maßnahmen in der konkreten Anwendung funktionieren.

Gesamtsystem und Aufgabe bewerten

Die Bewertung sollte die tatsächliche Arbeit beschreiben und nicht eine vereinfachte Darstellung der Maschine. Berücksichtigen Sie den Roboter, seine Basis und deren Stabilität, das Werkzeug, das Werkstück, Kabel und weitere Elemente, die stoßen, sich verhaken, schneiden oder quetschen können. Beziehen Sie vorgesehene und vorhersehbare Bewegungen beim Be- und Entladen, Reinigen, Einstellen, Beheben von Störungen und Warten ein. Ebenso wichtig ist, wer von wo aus und mit welcher Schulung den Bereich betreten darf. Ändert sich die Aufgabe, bildet die Bewertung die aktuelle Nutzung möglicherweise nicht mehr ab.

Erfassen Sie die Bereiche, die Roboter und Menschen während des Zyklus einnehmen, einschließlich der Bewegungsbahnen der Last und der von außen zugänglichen Zonen. Untersuchen Sie Hindernisse, Quetschstellen und Zugangswege, die außerhalb der Erfassung liegen können. Berücksichtigen Sie Reaktionszeiten und den erforderlichen Anhalteweg, bevor eine Gefahrenzone erreicht wird. Eine einzelne Berechnung ist jedoch kein ausreichender Nachweis: Sie muss den tatsächlichen Komponenten, der Konfiguration und den Betriebsbedingungen des Systems entsprechen.

Zum Betrieb gehören auch außergewöhnliche Situationen. Das Entfernen eines verklemmten Werkstücks, der Neustart nach einem Alarm oder Wartungsarbeiten können Personen unerwarteten Bewegungen aussetzen. Dokumentieren Sie, wer diese Aufgaben ausführen darf, welche Betriebsarten verfügbar sind und welche Bedingungen für die Wiederaufnahme des Zyklus gelten. Werden Werkzeug, Werkstück, Programm, Geschwindigkeit, Anordnung oder Schutzeinrichtungen geändert, prüfen Sie, ob die bisherige Bewertung und Validierung weiterhin maßgeblich sind. Eine Installation bleibt nicht allein deshalb sicher, weil sie eine Erstprüfung bestanden hat.

Schutzmaßnahmen prüfen, nicht nur benennen

Die Maßnahmen müssen zur Gefahr passen, die sie beherrschen sollen, und in der tatsächlichen Anordnung funktionieren. Wird eine Geschwindigkeits- und Abstandsüberwachung vorgeschlagen, fragen Sie, wie die Anwesenheit erkannt wird, welchen Bereich der Sensor abdeckt, was bei einem Erkennungsverlust geschieht und wie der Stopp sichergestellt wird. FANUC veröffentlicht Herstellerinformationen über kollaborative Robotersysteme und Sicherheitsaspekte. Diese Unterlagen können helfen, Fragen zur Anwendung zu formulieren, stellen aber keine unabhängige Validierung einer konkreten Installation dar.

Wenn die Strategie physischen Kontakt zulässt, muss die Analyse berücksichtigen, wie dieser entstehen könnte und welches Objekt oder Werkzeug beteiligt wäre. Das Werkstück kann Kanten haben, das Werkzeug kann Kräfte konzentrieren und der Kontakt kann unterschiedliche Körperteile betreffen. Die verfügbaren Unterlagen begründen keine numerischen Schwellenwerte für einen konkreten Fall; verwenden Sie kommerzielle Zahlen nicht erneut, als wären sie eine allgemeine Genehmigung.

Fordern Sie Nachweise für die Prüfung des integrierten Systems an: Welche Funktionen wurden in welcher Konfiguration und unter welchen Bedingungen geprüft, und welche Ergebnisse wurden dokumentiert? Prüfen Sie, was bei vorhersehbaren Fehlern, Verlust der Stromversorgung oder eines Signals, Öffnen einer Schutzeinrichtung und Betreten des Bereichs durch eine Person geschieht. Die Prüfung muss der tatsächlich verwendeten Last, den Werkzeugen, dem Programm und der Auslegung entsprechen. Akzeptieren Sie eine allgemeine Aussage, das Produkt sei kollaborativ, ein Etikett oder ein Zertifikat mit unklarem Geltungsbereich nicht als Nachweis.

Fragen an Hersteller und Integrator

Bitten Sie den Anbieter vor der Annahme eines Vorschlags, die Gefahren der Aufgabe, die vorgesehenen Maßnahmen und die zugrunde liegenden Annahmen zu benennen. Fragen Sie, welche Sicherheitsfunktionen und Komponenten verwendet werden, wie Personen erkannt werden, welche Bereiche nicht abgedeckt sind, welche Grenzen eingestellt sind und welches Verhalten bei Fehlern oder Änderungen erwartet wird. Verlangen Sie, dass jede Antwort auf Gerätedokumentation, Zellzeichnungen und Prüfprotokolle verweist. Lässt sie sich nicht der tatsächlichen Konfiguration zuordnen, bleibt sie eine noch zu überprüfende Aussage.

Klären Sie die Verantwortlichkeiten aller Beteiligten. Wer integriert und prüft das Gesamtsystem? Wer bewahrt Risikobeurteilung und Aufzeichnungen auf? Wer genehmigt Änderungen an Programm, Last, Werkzeug oder Anordnung? Welche Schulung erhalten Personen, die die Anlage bedienen, reinigen oder warten? Wie werden Betriebsarten und Bedingungen für den Neustart kenntlich gemacht? Diese Fragen ersetzen nicht das Urteil einer fachkundigen Person, helfen aber, Vorschläge zu erkennen, die sich allein auf die beworbenen Leistungsmerkmale des Roboters stützen.

Eine fundierte Abnahme sollte den Umfang der Überprüfung klar benennen: Modell und Konfiguration; untersuchte Aufgabe und Zyklus; Schutzeinrichtungen; Betriebsarten; durchgeführte Prüfungen; verbleibende Einschränkungen; sowie Bedingungen, die eine erneute Systemprüfung erfordern. Bewahren Sie die Dokumentation so auf, dass sie für Bedien- und Wartungspersonal zugänglich ist. Ändert sich die Tätigkeit, wird eine Komponente ausgetauscht oder tritt ein Vorfall beziehungsweise wiederholter Fehler auf, prüfen Sie die Eignung der Maßnahmen erneut. Brauchbare Nachweise beziehen sich konkret auf die Anwendung, sind nachvollziehbar und stimmen mit der in Betrieb genommenen Maschine überein.

Grenzen dieses Leitfadens

Normen, ihre Übernahme und rechtliche Pflichten können je nach Land, Branche, Zeitpunkt und Situation der Maschine variieren. Die zitierte EUR-Lex-Quelle fasst den europäischen Rechtsrahmen zur Maschinensicherheit zusammen, klärt aber nicht allein, welche Anforderungen im Einzelfall gelten. Prüfen Sie die geltenden Rechtsvorschriften und Normen, bevor Sie eine Installation planen, integrieren oder abnehmen.

Dieser Leitfaden bietet einen Fragenrahmen, keine Risikobeurteilung, Rechtsberatung oder Zertifizierung. Er enthält keine allgemein gültigen Abstände, Geschwindigkeiten oder biomechanischen Grenzwerte. Die praktische Schlussfolgerung ist enger gefasst: Die Eignung für die Arbeit in der Nähe von Menschen muss für das konkrete System und die konkrete Aufgabe begründet werden, anhand von Unterlagen und Prüfungen, die zur Konfiguration passen. Fehlen diese Nachweise, kann das Produktetikett sie nicht ersetzen.