Ein Portal ist keine einzige Datenbank
Öffentliche Informationen über die spanische Industrie verteilen sich auf verschiedene statistische Erhebungen und Institutionen. Das Ministerium für Industrie und Tourismus unterhält einen Bereich für offene Daten und thematische Statistikseiten; das INE veröffentlicht amtliche statistische Erhebungen, und Eurostat stellt vergleichbare Indikatoren für Länder der Europäischen Union bereit. Eine Zahl auf einem Ministeriumsportal zu finden bedeutet daher weder, dass es eine einzige Datenbank für die gesamte Industrie gibt, noch, dass sich alle Reihen unmittelbar kombinieren lassen. Zuerst ist festzustellen, welche Erhebung die Daten erzeugt und was sie misst.
Die Open-Data-Seite des Ministeriums erklärt, dass die bereitgestellten Datensätze genutzt, weiterverwendet und verbreitet werden können. Diese Möglichkeit zur Weiterverwendung ist nicht mit statistischer Vollständigkeit gleichzusetzen: Die Seite allein belegt weder, dass das Ministerium sämtliche Unternehmensdaten oder Industrieindikatoren veröffentlicht, noch, dass jede Ressource strukturierte Downloads, eine API oder regelmäßige Aktualisierungen bietet. Öffnen Sie vor der Planung einer Analyse die konkrete Ressource und prüfen Sie Format, Nutzungsbedingungen, zuständige Stelle und Dokumentation. (Quelle: Open Data des Ministeriums; elektronisches Open-Data-Portal).
Das Statistik- und Berichtsportal des Ministeriums ist ein Verzeichnis von Veröffentlichungen und Reihen, keine Garantie für Einheitlichkeit. Laut der Beschreibung des Ministeriums umfassen die Ressourcen herunterladbare Materialien etwa im PDF-, ODS- und XLSX-Format sowie die Reihendatenbank BADASE. Das kann für manuelle Abfragen und Analysen nützlich sein, erfordert aber eine klare Unterscheidung zwischen einer veröffentlichten Tabelle, einer historischen Zeitreihe und einer Methodik. Das Downloadformat ersetzt kein Methodenblatt. (Quelle: Statistiken und Berichte des Ministeriums).
Eine Reihe finden und dokumentieren
Beginnen Sie mit einer konkreten Frage: Physische Produktion, Umsatz, Geschäftsklima, Beschäftigung, Energieverbrauch und die Zahl der Unternehmen sind keine austauschbaren Messgrößen. Suchen Sie den Namen der statistischen Erhebung sowie die genaue Tabelle oder Reihe. Notieren Sie Einheit, geografischen Geltungsbereich, Bezugszeitraum, Häufigkeit und Veröffentlichungs- oder Aktualisierungsdatum. Verweist die Seite nur auf eine Mitteilung oder eine zusammenfassende Tabelle, prüfen Sie, ob Daten zum Download bereitstehen und ob die Methodik die Variablen präzise genug definiert.
Das Ministerium veröffentlicht beispielsweise eine Erhebung zur Industriekonjunktur mit Rubriken für aktuelle Daten, Ergebnisse und Methodik. Das Methodendossier erläutert, dass solche Erhebungen rasch Informationen zu Bereichen liefern können, die von quantitativen Statistiken nicht abgedeckt werden. Ein Konjunkturindikator darf daher nicht automatisch als direkte Zählung der beobachteten Produktion gelesen werden: Prüfen Sie zunächst die Definition der Fragen, der Grundgesamtheit und der Berechnung. Eine schnelle Veröffentlichung kann wertvoll sein, macht die Ergebnisse aber nicht mit quantitativen Indizes gleichwertig. (Quelle: Erhebung zur Industriekonjunktur; Methodik der ECI).
Halten Sie zu jeder Zahl die URL der Tabelle, das Abrufdatum, die verfügbare Version oder den Zeitraum und alle vorgenommenen Umrechnungen fest. Notieren Sie bei einem Download auch den Dateinamen und, falls die Analyse reproduzierbar sein soll, den Hashwert oder eine lokale Kopie. Zitieren Sie nicht nur die Startseite der Institution: Der Weg von der veröffentlichten Aussage zur Tabelle und ihrer Dokumentation muss nachvollziehbar sein. Wenn Daten revidiert wurden, geben Sie an, ob Sie die aktualisierte Reihe oder eine frühere Veröffentlichung verwenden. Das Download-Datum ist nicht zwangsläufig der statistische Bezugszeitpunkt.
Drei Indikatorarten, drei unterschiedliche Fragen
Der Index der Industrieproduktion (IPI) des INE misst laut Beschreibung der statistischen Erhebung die Entwicklung der Industrieproduktion. Die veröffentlichte Methodik nennt eine monatliche Datenerhebung und eine Stichprobe von Industriebetrieben; Geltungsbereich und Berechnung sind der jeweils aktuellen Dokumentation zu entnehmen. Der IPI eignet sich zur Analyse von Produktionsveränderungen, entspricht aber für sich genommen weder Tonnen noch hergestellten Stückzahlen oder Verkaufswerten. Ebenso wenig bildet er automatisch alle Betriebe, Produkte oder Branchen mit gleicher Detailtiefe ab. (Quelle: IPI-Erhebung und aktuelle Daten; IPI-Methodik).
Die Indizes des industriellen Umsatzes beantworten eine andere Frage: Sie bilden die Entwicklung des von befragten Betrieben gemeldeten Umsatzes ab und werden als Indizes mit einem in der Methodik festgelegten Basisjahr dargestellt. Ein Anstieg des Index sollte nicht ohne Weiteres als gleich hoher prozentualer Zuwachs bei den produzierten Stückzahlen oder den nominalen Einnahmen jedes Unternehmens beschrieben werden. Erhebung, Basis, Bereinigungen und Vergleichszeitraum sind entscheidend. Es handelt sich um einen aggregierten Indikator der Geschäftstätigkeit, nicht um die Gewinn-und-Verlust-Rechnung eines einzelnen Unternehmens. (Quelle: INE-Metadaten zu den Umsatzindizes).
Die Industriekonjunktur liefert dagegen Hinweise zu Einschätzungen und Erwartungen von Unternehmen, entsprechend dem in der Methodik beschriebenen Zweck. Sie kann quantitative Indikatoren ergänzen und Veränderungen einordnen, ersetzt sie aber nicht. Die Fahrzeug- oder Zementproduktion ist ein weiteres Beispiel: Das sind Branchenstatistiken und dürfen daher nicht als Abbild der gesamten Industrie ausgegeben werden. Die Ministeriumsseite zur Fahrzeugherstellung verweist auf spezielle Reihen und Berichte; die Zementstatistik nennt die Beobachtung der Entwicklung des Zementsektors als Ziel. (Quelle: Fahrzeugstatistik; Zementstatistik).
Quellen abgleichen, ohne Gleichwertigkeit zu unterstellen
Eurostat bietet eine Reihe zur gesamten Industrieproduktion ohne Baugewerbe sowie Metadaten zur europäischen Statistik der Industrieproduktion. Die Metadaten weisen darauf hin, dass die spanische Methodendokumentation vom INE veröffentlicht wird und die Übermittlung an Eurostat im SDMX-Format erfolgt. Die europäische Reihe kann Ländervergleiche oder eine harmonisierte Darstellung ermöglichen. Bevor sie jedoch mit einer Ministeriumstabelle verknüpft wird, sind Definition, Bereinigung, Einheit und Zeitraum zu prüfen. Die gleiche Bezeichnung „Industrieproduktion“ beweist nicht, dass zwei Tabellen identisch sind. (Quelle: Eurostat, Industrieproduktion; Eurostat-Metadaten).
Auch Unternehmensindikatoren verlangen besondere Sorgfalt. Die Ministeriumsplattform für KMU beschreibt ihre Tabellen als Auswertungen von Informationen aus dem Zentralen Unternehmensregister des INE (DIRCE), mit Merkmalen wie Größe, Rechtsform, Tätigkeit, Einnahmen sowie räumlichem und zeitlichem Geltungsbereich. Das Ministerium beschreibt „Cifras PYME“ außerdem als monatliche Veröffentlichung auf Grundlage von Daten zu bei der Sozialversicherung registrierten Unternehmen. Diese Quellen eignen sich für unterschiedliche Fragen. Es darf aber nicht unterstellt werden, dass DIRCE und Sozialversicherungsregister dieselben Einheiten zählen oder dieselben Tätigkeitskriterien anwenden. (Quelle: Daten zu spanischen Unternehmen; Statistiken und Veröffentlichungen zu KMU).
Gleichen Sie beim Vergleich von Reihen zunächst Häufigkeit und Bezugszeitraum ab. Prüfen Sie, ob eine Zahl monatlich oder jährlich ist, einen Index, ein physisches Volumen oder eine Unternehmensklassifikation bezeichnet; kontrollieren Sie außerdem Bereinigungen sowie Änderungen des Basisjahres oder der Methodik. Weichen zwei Quellen voneinander ab, wählen Sie nicht automatisch die neueste oder einfachste Zahl: Erklären Sie den begrifflichen Unterschied oder verzichten Sie auf den Vergleich. Ein valider Vergleich beginnt mit dem Nachweis, dass die verglichenen Größen hinreichend ähnlich sind.
Grenzen, die sichtbar gemacht werden sollten
Portale und Ergebnisseiten können sich ändern. Eine Seite, die auf Daten verweist, zeigt über ihre Suchoberfläche nicht immer die vollständige Struktur, Häufigkeit oder Revisionsgeschichte. Die konsultierten Informationen helfen, Ressourcen und bestimmte methodische Merkmale zu identifizieren, rechtfertigen aber nicht die Aussage, alle Datensätze seien in wiederverwendbaren Formaten offen, ein bestimmter Download werde in einem festgelegten Rhythmus aktualisiert oder für jede Erhebung gebe es eine API. Prüfen Sie diese Punkte vor der Verwendung im Projekt auf der jeweiligen Seite und in der konkreten Datei.
Auch die Gliederungstiefe ist wichtig. Eine nationale Summe kann Unterschiede zwischen Branchen, Gebieten und Unternehmensgrößen verdecken; eine Branchenstatistik beschreibt keine anderen Industrien; eine Stichprobe ist keine Vollerhebung. Umgekehrt ist eine detaillierte Tabelle nicht zwangsläufig für jede Kreuztabellierung präzise genug. Wenn die Dokumentation eine Aufschlüsselung nicht trägt, leiten Sie sie nicht durch Schlussfolgerungen her und stellen Sie sie nicht als beobachteten Wert dar. Dass ein Detail nicht veröffentlicht ist, beweist nicht, dass es in anderen Registern nicht existiert; es markiert lediglich die Grenze der konsultierten Quelle.
Bei der Interpretation sind Unsicherheit und Zweck der Erhebung zu berücksichtigen. Ein Index fasst Veränderungen nach einer bestimmten Methodik zusammen, nicht die Lage jedes Unternehmens; eine Meinungsumfrage erfasst Antworten nach einem festgelegten Design; eine Jahreszahl kann später erscheinen als ein monatlicher Konjunkturhinweis. Es gibt keine universell „beste“ Quelle: Die geeignete Quelle hängt von der Frage ab. Ein Artikel, der sie zitiert, sollte benennen, was sie misst und was sie ausklammert.
Eine kurze Prüfliste vor dem Zitieren
Bevor Sie eine Industriezahl veröffentlichen, beantworten Sie in klarer Form fünf Fragen: Wer erstellt sie? Welche konkrete Erhebung und Tabelle ist gemeint? Welche Einheit und Grundgesamtheit deckt sie ab? Auf welchen Zeitraum bezieht sie sich? Wo ist die Methodik beschrieben? Bei einem Vergleich kommt eine sechste Frage hinzu: Sind Definitionen, Bereinigungen, Häufigkeit und Abdeckung miteinander vereinbar? Lässt sich das nicht beantworten, formulieren Sie die Aussage um oder begrenzen Sie ihre Reichweite ausdrücklich.
Nennen Sie in einer technischen oder geschäftlichen Notiz den direkten Link zur Reihe und ihrer Methodik, geben Sie das Abrufdatum an und übernehmen Sie die Einheit so, wie sie in der Quelle steht. Trennen Sie den beobachteten Wert von seiner Interpretation. Machen Sie beispielsweise aus einem Index kein physisches Volumen und aus einer Branchenveröffentlichung keine Schlussfolgerung über die gesamte Industrie. Wenn Sie mehrere Quellen verwenden, erklären Sie, weshalb sie einander ergänzen und welche Unterschiede verhindern, sie als eine einzige Reihe zu behandeln.
Das öffentliche Datenangebot Spaniens bietet durchaus nützliche Ausgangspunkte: das Ministerium für bestimmte Veröffentlichungen und Branchenstatistiken, das INE für nationale statistische Erhebungen und Eurostat für europäische Daten und Metadaten. Allein die Existenz dieser Portale belegt jedoch weder, dass jeder Indikator im gleichen Detailgrad, nach demselben Zeitplan oder unter derselben Lizenz verfügbar ist, noch, dass sämtliche Reihen ohne Anpassungen vergleichbar sind. Verifizierung bedeutet nicht nur, eine Zahl zu finden, sondern auch die Bedingungen zu bewahren, die ihr Bedeutung geben.