Der Formfaktor gibt die Größe an, nicht alle Eigenschaften
ATX, microATX und Mini-ITX beschreiben vor allem die physischen Abmessungen und bestimmte Aspekte des Layouts eines Mainboards. Sie sind hilfreiche Anhaltspunkte dafür, welche Mainboard-Familien in ein Gehäuse passen können und wie viel Platz grundsätzlich für Komponenten und Steckplätze zur Verfügung steht. Sie sind keine Leistungsklassen: Ein größeres Mainboard macht den Prozessor nicht automatisch schneller und garantiert keine besseren Anschlüsse.
Als übliche Richtwerte gelten ungefähr 305 × 244 mm für ATX, 244 × 244 mm für microATX und 170 × 170 mm für Mini-ITX. Diese Angaben beziehen sich auf die Abmessungen des Formfaktors und beschreiben nicht jedes Produkt vollständig. Die technischen Daten des konkreten Mainboards müssen Maße und Eigenschaften bestätigen; außerdem können Produktnamen Varianten oder Designs umfassen, die sich nicht mit diesen drei Bezeichnungen abdecken lassen.
Die Werte vermitteln einen Eindruck davon, wie viel Platz die jeweiligen Formfaktoren beanspruchen, und bilden einen Ausgangspunkt für den Vergleich mit dem Gehäuse. Sie ersetzen jedoch nicht die Prüfung der exakten Abmessungen und Befestigungspunkte des konkreten Modells. Die Anordnung von Anschlüssen und Komponenten kann sich auch bei Mainboards derselben Familie unterscheiden. Aus einem Richtwert lassen sich daher nicht alle Produktdetails ableiten. Nutzen Sie den Formfaktor als erste Vorauswahl, nicht als Garantie für vollständige Kompatibilität. Genauere Angaben in den Datenblättern des Mainboards und Gehäuses sollten Sie vor der Entscheidung prüfen.
ATX, microATX und Mini-ITX: praktische Unterschiede
ATX benötigt mehr Fläche als microATX und Mini-ITX und bietet üblicherweise mehr Raum für die Anordnung von Erweiterungssteckplätzen. Das kann sinnvoll sein, wenn mehrere PCIe-Karten oder andere Geräte vorgesehen sind, garantiert aber keine bestimmte Anzahl an Steckplätzen: Das Layout hängt vom Modell ab. Zählen Sie die in den technischen Daten aufgeführten physischen Steckplätze und prüfen Sie, ob einige Ressourcen teilen oder durch eine besonders dicke Grafikkarte blockiert werden könnten.
Ein größerer Formfaktor kann mehr Spielraum bei der Platzierung von Komponenten auf dem Mainboard bieten. Wie nützlich dieser Platz ist, richtet sich jedoch nach den Geräten, die Sie einbauen möchten, und der Anordnung der Steckplätze. Identifizieren Sie beim Vergleich zweier Modelle zuerst die geplanten Karten und Laufwerke und prüfen Sie, ob für jedes davon ein geeigneter, zugänglicher Anschluss vorhanden ist. Die Gesamtzahl allein sagt nicht aus, ob in der vorgesehenen Konfiguration alle gleichzeitig genutzt werden können.
microATX benötigt weniger Fläche als ATX und kann für einen Aufbau mit kleinerem Gehäuse geeignet sein, ohne dass zwangsläufig alle Erweiterungsmöglichkeiten entfallen. Die Zahl der verfügbaren Steckplätze und Anschlüsse hängt vom jeweiligen Mainboard ab. Nehmen Sie weder an, dass jedes microATX-Modell dieselbe Kombination bietet, noch dass ein kompaktes microATX-Gehäuse denselben freien Innenraum wie ein ATX-Gehäuse hat. Die Kennzeichnung gibt an, welchen Formfaktor das Gehäuse unterstützt, nicht wie viel Platz um die einzelnen Komponenten bleibt oder wie einfach sich der konkrete Aufbau umsetzen lässt.
Mini-ITX und die Wahl passend zum Aufbau
Mini-ITX ist der kleinste der drei Formfaktoren und ist meist auf kompakte Systeme ausgelegt. Durch die geringere Fläche steht auf dem Mainboard weniger Platz für die Anordnung von Komponenten zur Verfügung; prüfen Sie daher die tatsächliche Zahl der Steckplätze und Anschlüsse des jeweiligen Modells. Bei einem kompakten Aufbau sind außerdem Länge und Dicke der Grafikkarte, der Kühler, das Netzteil und die Gehäusebelüftung besonders zu berücksichtigen.
Die Wahl des Formfaktors richtet sich nach den Anforderungen des Aufbaus und dem verfügbaren Platz, nicht nach einer automatischen Rangfolge der Mainboards. Wenn mehrere Erweiterungskarten vorgesehen sind, prüfen Sie Anzahl und Position der Steckplätze. Soll der Computer möglichst klein sein, müssen Sie die Abmessungen jeder Komponente und die Voraussetzungen für ihren Einbau genauer beachten. Der Formfaktor erleichtert den Vergleich; die Spezifikationen des Modells entscheiden, ob es für den geplanten Einsatz geeignet ist.
Prüfen Sie das Gehäuse, bevor Sie die Kompatibilität voraussetzen
Vergleichen Sie zunächst den vom Gehäuse unterstützten Formfaktor mit dem Formfaktor des Mainboards. Prüfen Sie dazu den Kompatibilitätsabschnitt der offiziellen Gehäusespezifikationen und die offiziellen Angaben zum Mainboard. Führt das Gehäuse ATX, microATX und Mini-ITX auf, ist das ein Hinweis auf die laut Hersteller unterstützten Formfaktoren. Es sagt jedoch noch nicht aus, ob für alle Komponenten genügend Platz bleibt.
Vergleichen Sie die genaue Formfaktorbezeichnung mit der Herstellerliste, statt die Kompatibilität allein aus dem Aussehen oder ungefähren Maßen abzuleiten. Die Angaben zum konkreten Mainboard bestätigen dessen Abmessungen; die Gehäusespezifikationen nennen die unterstützten Formfaktoren des jeweiligen Modells. Mit dieser ersten Prüfung lassen sich unpassende Kombinationen ausschließen, bevor Sie den Rest des Systems kontrollieren. Sind die Angaben unklar oder widersprüchlich, ziehen Sie das Handbuch oder die Herstellerdokumentation heran.
Physische Kompatibilität bedeutet mehr, als die Befestigungslöcher aufeinander auszurichten. Prüfen Sie die Position der Abstandshalter, die Aussparung für die rückseitige Anschlussblende und den Freiraum rund um das Mainboard. Befolgen Sie die Montagehinweise der Gehäuse- und Mainboardhersteller. ASUS veröffentlicht beispielsweise eine Installationsanleitung, die empfiehlt, die Position der Abstandshalter zu prüfen und ungeeignete Auflagepunkte zu vermeiden. Die Abstandshalter müssen an den für das konkrete Mainboard vorgesehenen Stellen sitzen. Gehen Sie nicht davon aus, dass jede Position passt, nur weil die Löcher scheinbar übereinstimmen.
Prüfen Sie den Platz für alle Komponenten
Vergleichen Sie anschließend die Einschränkungen, die den gesamten Aufbau betreffen: maximale Länge und Höhe der Komponenten, Position der Laufwerksschächte, Platz für Radiatoren oder Lüfter und Spielraum für die Kabelführung. Selbst ein Gehäuse, das einen Formfaktor unterstützt, kann Grenzen setzen, die sich auf Grafikkarte, Kühler oder Kühlsystem auswirken. „Das Mainboard passt“ und „der komplette Aufbau passt“ sind zwei unterschiedliche Prüfungen.
Führen Sie diese Prüfung anhand der konkreten Komponenten durch, die Sie einbauen möchten. Ein Gehäuse kann den Mainboard-Formfaktor unterstützen und dennoch den Platz für die gewählte Grafikkarte oder den Kühler begrenzen. Auch die Position der Laufwerksschächte und der Kühlkomponenten kann den Einbau beeinflussen. Stellen Sie außerdem sicher, dass ausreichend Platz zum Anschließen und Verlegen der erforderlichen Kabel bleibt. Für die Kompatibilität zählt daher nicht nur die Kombination aus Mainboard und Gehäuse, sondern die vollständige Zusammenstellung der Komponenten.
Steckplätze, Speicher und Anschlüsse passend zum Einsatz
Überlegen Sie zunächst, welche Geräte Sie anschließen möchten, und prüfen Sie die technischen Daten des ausgewählten Mainboards. Bei Erweiterungskarten sind Anzahl und Typ der PCIe-Steckplätze, ihre physische Größe und der Abstand zwischen ihnen wichtig. Wenn Sie eine Grafikkarte einplanen, vergleichen Sie deren Abmessungen und Dicke mit der Steckplatzanordnung des Mainboards: Die nominelle Formfaktorgröße garantiert nicht, dass zwei Karten gleichzeitig eingebaut werden können.
Eine Liste der geplanten Geräte erleichtert den genauen Vergleich: Notieren Sie, welche Karten Sie einbauen möchten und welchen Steckplatz jede benötigt. Vergleichen Sie das mit der Anordnung in den technischen Daten oder im Handbuch. Es reicht nicht, die Steckplätze zu zählen, wenn die Position eines Steckplatzes oder die Dicke einer anderen Karte den Einbau beeinträchtigen kann. Prüfen Sie Anzahl und Position sowie die geplante gleichzeitige Nutzung.
Zählen Sie beim Speicher die M.2- und SATA-Anschlüsse, die Sie tatsächlich benötigen, und prüfen Sie die Nutzungsbedingungen im Handbuch. Bei manchen Designs kann die Belegung eines Anschlusses einen anderen deaktivieren oder Ressourcen mit ihm teilen. Nehmen Sie weder an, dass alle Anschlüsse gleichzeitig funktionieren, noch dass ein M.2-Laufwerk beliebiger Länge oder Art kompatibel ist: Prüfen Sie den unterstützten Standard und die vom Hersteller genannten Einschränkungen. Wenn mehrere Laufwerke geplant sind, kontrollieren Sie, welche Kombinationen das Mainboard unterstützt und ob die Nutzung eines Anschlusses einen anderen beeinflusst. So wird die Anzahl der Anschlüsse zu einer praktischen Prüfung und nicht nur zu einem Datenblattwert.
Anschlüsse, Header und externe Geräte
Prüfen Sie auch die rückseitigen Anschlüsse und die internen Header. Ein USB-Anschluss an der Gehäusefront benötigt den passenden Header auf dem Mainboard; auch ein Audioanschluss oder ein USB-C-Port an der Vorderseite kann einen bestimmten Header voraussetzen. Vergleichen Sie vor dem Kauf die Anschlüsse des Gehäuses mit den Headern des Mainboards.
Verwechseln Sie die auf der Rückseite sichtbaren Ports nicht mit den internen Anschlüssen, die für das Frontpanel benötigt werden. Das Gehäuse kann Anschlüsse an der Vorderseite bieten, die sich nur nutzen lassen, wenn das Mainboard über den entsprechenden Header verfügt. Vergleichen Sie beide Anschlusslisten, um festzustellen, welche Verbindungen nach dem Zusammenbau verfügbar sein werden und welche nicht zusammenpassen.
Berücksichtigen Sie je nach tatsächlichem Bedarf auch kabelgebundenes Netzwerk, WLAN, Audio und die Zahl der USB-Ports. Der Formfaktor des Mainboards sagt nichts über diese Fähigkeiten aus; prüfen Sie sie daher für das ausgewählte Modell. Wenn Sie eine bestimmte Verbindung oder einen bestimmten Anschlusstyp benötigen, vergewissern Sie sich, dass er in den technischen Daten aufgeführt ist, statt ihn aus der Größe des Mainboards abzuleiten.