Die wichtige Änderung betrifft das Format, nicht ein Versprechen universeller Kompatibilität

Das Galaxy Z Fold8 wurde am 22. Juli 2026 vorgestellt. In seinem am selben Tag veröffentlichten Leitfaden für Entwickler hebt Google ein Merkmal hervor, das sich unmittelbar auf Software auswirkt: Das Telefon erhält ein ultrabreites Hauptdisplay, dessen natürliche Ausrichtung das Querformat ist. Die Empfehlung besteht nicht darin, eine Sonderversion für ein einziges Modell hinzuzufügen, sondern starre Annahmen zu Ausrichtung und Seitenverhältnis aufzugeben. Entwickler sollen also berücksichtigen, wie sich eine App bei wechselnden Bildschirmkonfigurationen verhält, statt das gewohnte Hochformat als einzig möglichen Ausgangspunkt zu betrachten. (Android Developers Blog)

Samsung beschreibt das Fold8 mit einem Hauptdisplay im Seitenverhältnis 4:3, das zum Lesen gedreht werden kann, und einem Außendisplay im Verhältnis 10:16. Für dieselbe App entstehen dadurch zwei unterschiedliche Nutzungskontexte: eine schmale äußere Fläche und eine breitere innere Fläche. Die verfügbaren Informationen belegen eine neue Gestaltungsaufgabe; für sich genommen beweisen sie weder, dass alle Apps schlecht funktionieren, noch, dass jede vollständig neu entwickelt werden muss. Entscheidend ist, wie eine bestehende Oberfläche auf den Wechsel zwischen den beiden Flächen reagiert und ob sich Inhalte und Bedienelemente an den tatsächlich verfügbaren Platz anpassen. Die Displayangaben erklären, warum Entwickler mehrere Layouts berücksichtigen sollten, sind aber kein Beleg für ein universelles Kompatibilitätsproblem. (Samsung Newsroom)

Zuerst für den verfügbaren Platz der App gestalten

Google empfiehlt, die Oberfläche zunächst an der verfügbaren Breite auszurichten und anschließend die Höhe zu berücksichtigen. In einem breiten Fenster kann es sinnvoll sein, mehrere Spalten, Bereiche oder Inhalte gleichzeitig anzuzeigen. Wird der Platz enger, lassen sich diese Elemente neu anordnen, anpassen oder in ein anderes Layout überführen. Entscheidend ist, dass sich die Gestaltung neu verteilen kann, statt von festen Koordinaten oder Abmessungen abzuhängen. Das bedeutet nicht, dass jeder Bildschirm immer dieselbe Informationsmenge zeigen muss. Vielmehr kann sich die Anordnung gezielt verändern, wenn sich das App-Fenster ändert, damit Inhalte und Bedienelemente nutzbar bleiben und nicht bloß in ein Layout gequetscht werden, das für eine andere Form gedacht ist. (Android Developers Blog)

Wichtig ist auch, die physische Displaygröße vom Platz zu unterscheiden, den das App-Fenster einnimmt. Bei geteiltem Bildschirm oder in anderen Multitasking-Modi erhält eine App möglicherweise nur einen Teil des Displays; außerdem kann ihr Fenster anders ausgerichtet sein als das Gerät. Google nennt Window Size Classes und Jetpack WindowManager als Werkzeuge, um diesen tatsächlichen Platz und die Eigenschaften des Fensters zu ermitteln. So kann die Oberfläche auf die wirklichen Bedingungen reagieren, statt sich auf eine Annahme über die Gesamtgröße des Telefons zu stützen. Für Nutzer ist dieser Unterschied bedeutsam: Ein großes Display heißt nicht, dass jede App jederzeit das gesamte Display nutzen kann. Fenstergröße und Ausrichtung sowie die Art, wie Apps angeordnet werden, bestimmen den Platz, in dem die Oberfläche funktionieren muss. (Android Developers Blog)

Faltungen, Änderungen der Gerätestellung und Kontinuität

Bei einem Foldable ändert der Wechsel zwischen geschlossenem und geöffnetem Zustand die Konfiguration, die eine App erhält. Die adaptiven Empfehlungen von Android verlangen, diese Zustände ebenso zu berücksichtigen wie Hoch- und Querformat, den Mehrfenstermodus und die Präferenzen der Nutzer. Für Layouts, die über den Scharnierbereich reichen, stellt Jetpack WindowManager Informationen zu Faltungen und Scharnieren bereit. Eine App kann wichtige Inhalte von diesem Bereich fernhalten oder ihn als Trennung zwischen Bereichen nutzen. Das Scharnier ist damit ein Aspekt der Gestaltung und nicht bloß ein physisches Detail. Welche Lösung passt, hängt von der Oberfläche ab: Inhalte können aus dem Faltbereich herausgehalten oder – sofern sinnvoll – verschiedene App-Bereiche auf beiden Seiten angeordnet werden. (Android Developers)

Google empfiehlt außerdem, den Zustand der Oberfläche bei solchen Änderungen zu bewahren, zum Beispiel mit ViewModel, damit Nutzer beim Auf- oder Zuklappen den Zusammenhang nicht verlieren. Das ist eine Entwicklungsempfehlung und keine Beschreibung dessen, was jede installierte App automatisch tut. Praktisch sollten die laufende Aufgabe, eine Auswahl oder die Leseposition beim Wechsel der Bildschirmkonfiguration erhalten bleiben, sofern die App dies unterstützt. Wie gut dieser Übergang gelingt, hängt davon ab, wie die jeweilige Anwendung entwickelt wurde. Ein Foldable kann den verfügbaren Aufbau verändern, ohne dass Nutzer von vorn beginnen möchten. Eine entsprechend vorbereitete App sollte daher festlegen, welche Informationen diesen Wechsel überdauern müssen. Die Empfehlung belegt weder, dass alle Apps ihren Zustand bereits bewahren, noch, dass die Plattform fehlende Kontinuität anstelle einer App bereitstellen kann. (Android Developers Blog)

Android 17 beseitigt einen Ausweg für Apps auf großen Bildschirmen, gestaltet ihre Oberflächen aber nicht neu

Android 17 führt für Apps mit Ziel-API-Level 37 eine wichtige Änderung ein: Die Option, sich von Android-Regeln auszunehmen, die Einschränkungen bei Ausrichtung, Seitenverhältnis und Größenänderung auf großen Bildschirmen ab 600 dp Breite ignorieren, ist nicht mehr verfügbar. Google erklärt, dass diese Regeln bereits mit Android 16 für Apps mit Ziel-API-Level 36 oder höher eingeführt wurden. Die Änderung betrifft die Reaktion einer App auf Fenstergröße und Ausrichtung; sie erzeugt nicht von selbst eine adaptive Oberfläche. Anders gesagt: Für die betroffenen Apps kann das System bestimmte Einschränkungen anders behandeln, doch dieses Verhalten ist nicht mit der nötigen Arbeit gleichzusetzen, Inhalte sinnvoll anzuordnen. (Android Developers)

Deshalb sollte man die Systemregel von der Gestaltungsarbeit unterscheiden. Android kann zulassen, dass eine App in der Größe verändert oder in einer anderen Ausrichtung angezeigt wird als zuvor von ihr erzwungen. Buttons, Listen oder Bereiche werden dadurch aber nicht wie von Zauberhand so umgestellt, dass sie bequem nutzbar sind. Als vorübergehende Vorgehensweise nennt die Google-Dokumentation eine Strategie, die auf kompakten Bildschirmen den Hochformatmodus einschränkt und auf Bildschirmen ab 600 dp die vom Nutzer gewählte Ausrichtung zulässt. Der Leitfaden stellt dies als begrenzten Schritt und nicht als Ersatz für vollständige Unterstützung dar. Entwickler müssen weiterhin prüfen, wie die Oberfläche in den vom System zugelassenen Konfigurationen aussieht und funktioniert. Eine Änderung des Plattformverhaltens kann Schwächen eines Layouts sichtbar machen, ist aber weder eine automatische Neugestaltung noch eine Garantie für die richtige Position jedes Bedienelements. (Android Developers)

Kamera: eine weitere Anpassungsprobe, getrennt von der allgemeinen Oberfläche

Googles Leitfaden behandelt Kameraaufnahmen gesondert. Beim Wechsel von einem kompakten Außendisplay zu einem größeren Innendisplay ändern sich die Proportionen des Vorschaubereichs, auch wenn sich die Geräteausrichtung nicht unbedingt ändert. Eine Implementierung, die ein festes Verhältnis zwischen Sensor und Display voraussetzt, kann eine gedrehte, verzerrte oder beschnittene Vorschau anzeigen. Für neue Implementierungen empfiehlt Google CameraX und nennt PreviewView als Unterstützung für den Umgang mit Sensorausrichtung, Drehung und Skalierung. Das ist ein konkretes Beispiel dafür, warum die Prüfung der allgemeinen Oberfläche nicht immer ausreicht: Die Kameravorschau hat eine eigene Geometrie und muss sich an die Fläche anpassen, auf der sie dargestellt wird. (Android Developers Blog)

Für bestehende Projekte mit Camera2 verweist derselbe Beitrag auf CameraViewfinder als Möglichkeit, Seitenverhältnis und Drehung umzuwandeln, ohne die gesamte Architektur neu aufzubauen. Diese Empfehlungen richten sich an Personen, die Apps entwickeln oder pflegen; sie bedeuten nicht, dass das System sämtliche Softwareprobleme der Kamera in Apps von Drittanbietern beheben kann. Bei der Bewertung einer Kamera-App auf einem Foldable sollte man daher Bildausschnitt und Übergang zwischen den Displays beobachten, statt allein aus dem erfolgreichen Öffnen der App auf vollständige Kompatibilität zu schließen. Dass eine App startet, ist nur ein sichtbares Anzeichen. Die Vorschau kann auf den geänderten verfügbaren Platz trotzdem schlecht reagieren, und die genannten Werkzeuge sind Entwicklungsempfehlungen – keine Zusicherung, dass eine bestimmte App sie bereits nutzt. (Android Developers Blog)

Was Nutzer prüfen können und wo die Grenzen liegen

Ein sinnvoller Test für Nutzer ist, eine App auf dem Außendisplay zu öffnen, das Telefon aufzuklappen, es zu drehen und – sofern die App es unterstützt – den geteilten Bildschirm auszuprobieren. Dabei sollte man darauf achten, ob sich Inhalte neu anordnen, ob Balken oder leere Flächen auftreten, ob Bedienelemente erreichbar bleiben und ob die Aufgabe nach dem Wechsel fortgesetzt wird. Bei Lese-, Video- oder Kamera-Apps ist außerdem wichtig, ob Inhalte oder Vorschauen unerwartet beschnitten werden. Das sind beobachtbare Anzeichen, keine technische Zertifizierung und auch keine für diesen Artikel durchgeführten Testergebnisse. Mehrere Konfigurationen auszuprobieren zeigt, wie sich eine App im Alltag verhält, beweist aber nicht, dass sie jede mögliche Fenstergröße oder Gerätestellung unterstützt. Der Test ist gerade deshalb nützlich, weil er sich auf sichtbares Verhalten beschränkt und keine weitergehende Aussage beansprucht.

Googles Ankündigung enthält Entwicklerempfehlungen und Plattformwerkzeuge; sie veröffentlicht keine Kompatibilitätsprüfung einzelner Apps. Ebenso lässt sich daraus weder schließen, dass das Galaxy Z Fold8 eine Neugestaltung jeder App erzwingt, noch, dass Android 17 bei allen Apps ein optimales Erlebnis garantiert. Die überprüfbare Aussage ist enger gefasst: Querformat-orientierte Formate und variable Fenster machen es wichtiger, Oberflächen an den verfügbaren Platz anzupassen, und Android 17 beschränkt eine Ausnahmeregel für die Ausrichtung bei Apps mit Ziel-API 37 oder höher. Der Unterschied zwischen dem Akzeptieren einer Konfiguration und einer guten Gestaltung dafür hängt weiterhin von jedem Entwickler ab. Nutzer können diesen Unterschied beobachten, doch die Empfehlungen zertifizieren nicht das Verhalten einer bestimmten Anwendung. (Android Developers Blog)