Eine regulatorische Änderung mit festem Termin

Das spanische Ministerium für die Digitale Transformation und den öffentlichen Dienst hat eine Ministerialverordnung verabschiedet, die einen neuen Rahmen für telefonische kommerzielle Kommunikation schafft. Die Maßnahme tritt im Oktober 2026 in Kraft und verpflichtet alle Unternehmen, Verkaufsanrufe ausschließlich von Nummern aus zu tätigen, die mit der Vorwahl 400 beginnen. Die Entscheidung ist Teil des von der Regierung ins Leben gerufenen Anti-Betrugs-Plans, der Telefonbetrug und die Flut unerwünschter Anrufe bekämpfen soll.

Die im April 2026 veröffentlichte Regelung setzt das im Dezember 2025 verabschiedete Gesetz über Kundendienstleistungen (SAC) um. Das Hauptziel ist, dass Nutzer den kommerziellen Charakter eines Anrufs sofort erkennen, bevor sie abheben. Dadurch sollen Möglichkeiten für Identitätsmissbrauch und Betrug eingeschränkt werden. Telekommunikationsanbieter haben sechs Monate Zeit, systematisch alle Verkaufsanrufe zu sperren, die diese neue Kennzeichnung nicht verwenden.

So funktioniert das neue Nummerierungssystem

Der neue Nummernbereich für Werbeanrufe wird neunstellig sein und mit der Vorwahl 400 beginnen. So können Nutzer einen Werbeanruf eindeutig von einem privaten Anruf oder einem Anruf des Kundendienstes unterscheiden. Die Nummern sind außerdem einseitig nutzbar: Kunden können Anrufe empfangen, aber keine Anrufe tätigen. Das erhöht den Schutz vor möglichen Betrugsversuchen, wenn eine Nummer zurückgerufen wird.

Die Verordnung legt außerdem fest, dass Kundendienstanrufe nur von eigens dafür zugeteilten Kurzwahlnummern, den gebührenfreien Nummernbereichen 800 und 900 oder geografischen Nummern aus erfolgen dürfen. Sobald die neue Nummerierung vollständig eingeführt ist, sperren die Anbieter Anrufe, die als kommerziell oder als Kundendienstanruf erkannt werden, aber nicht die vorgeschriebene Nummerierung verwenden. Dieser technische Mechanismus ist entscheidend, um die Einhaltung der Regelung sicherzustellen.

Auswirkungen auf den Schutz der Nutzer

Der Anti-Betrugs-Plan für Telefonanrufe und SMS, zu dem diese Maßnahme gehört, hat seit seinem Start im März 2025 die Sperrung von mehr als 192 Millionen Anrufen und 17 Millionen SMS mit betrügerischer Absicht ermöglicht. Die Vorwahl 400 soll die Flut unerwünschter Kommunikation eindämmen und Betrug durch Identitätsmissbrauch erschweren. Óscar López, Minister für die Digitale Transformation, betonte, dass die Maßnahme die Bevölkerung vor Betrugsversuchen und unerwünschten Werbeanrufen schützt.

Für die Nutzer bedeutet die Änderung mehr Transparenz und Kontrolle über eingehende Anrufe. Dank der eindeutigen Kennzeichnung können sie im Voraus entscheiden, ob sie einen Werbeanruf annehmen möchten. Das verringert die Gefahr, Social-Engineering-Methoden ausgesetzt zu sein, und stärkt das Sicherheitsgefühl. Die Maßnahme ist besonders relevant, da Telefonbetrug in Spanien weiterhin zu den größten Problemen der digitalen Sicherheit zählt.

Pflichten für Unternehmen und Anbieter

Unternehmen, die Werbeanrufe tätigen, müssen sich vor Oktober 2026 auf die neue Regelung einstellen. Sie müssen bei ihren Telekommunikationsanbietern Nummern mit der Vorwahl 400 beantragen und ihre Wähl- und Anrufverwaltungssysteme aktualisieren. Verstöße können Sanktionen nach sich ziehen, da die Anbieter verpflichtet sein werden, Anrufe zu sperren, die nicht der neuen Nummerierung entsprechen.

Für Telekommunikationsanbieter bringt die Maßnahme technische und betriebliche Herausforderungen mit sich. Sie müssen Verfahren zur Erkennung und Sperrung von Anrufen einführen, die nicht die für kommerzielle Zwecke oder den Kundendienst vorgesehene Nummerierung nutzen. Dafür sind eine enge Abstimmung mit den Unternehmen und Aktualisierungen der Netzinfrastruktur erforderlich, damit die Vorgaben fristgerecht eingehalten werden können.

Hintergrund und Vorgeschichte der Maßnahme

Das im Dezember 2025 verabschiedete Gesetz über Kundendienstleistungen (SAC) sah vor, dass Werbeanrufe einen eigenen Zahlencode erhalten müssen. Die Ministerialverordnung vom April 2026 setzt dieses Gesetz um und legt die konkreten Nummernbereiche fest – sowohl für Werbeanrufe als auch für Anrufe des Kundendienstes. Die Maßnahme ergänzt weitere Regierungsinitiativen, mit denen der Schutz der Nutzer im Telekommunikationsbereich verbessert werden soll.

Auch die vor fast zehn Jahren begonnene Stilllegung der Kupfervermittlungsstellen von Telefónica gehört zum Kontext der Modernisierung spanischer Telekommunikationsnetze. Der Übergang zu digitalen Netzen und der Einsatz neuer Technologien, etwa 5G und künstlicher Intelligenz im Netzmanagement, prägen die Branche im Jahr 2026. Vor diesem Hintergrund soll die Regulierung kommerzieller Kommunikation auf neue technologische Gegebenheiten reagieren und Nutzer in einer zunehmend digitalisierten Umgebung schützen.

Was tun, wenn Sie einen Werbeanruf erhalten

Ab Oktober 2026 können Nutzer Werbeanrufe anhand der Vorwahl 400 leicht erkennen. Erhalten Sie einen Anruf mit dieser Vorwahl, wissen Sie, dass es sich um kommerzielle Kommunikation handelt und können entscheiden, ob Sie abheben möchten. Wenn Sie nicht interessiert sind, können Sie ohne Angst vor Nachteilen auflegen, denn das Gesetz schützt Nutzer vor unerwünschten Anrufen.

Erhalten Sie einen Werbeanruf ohne die Vorwahl 400, können Sie ihn bei der CNMC oder den zuständigen Behörden melden. Anbieter sind verpflichtet, solche Anrufe zu sperren. Die Mithilfe der Nutzer ist jedoch wichtig, um mögliche Verstöße zu erkennen und zu melden. Die Maßnahme schützt nicht nur die Nutzer, sondern fördert auch mehr Transparenz und Verantwortung in der kommerziellen Kommunikation.